30.01.2025
Am 24./25. Januar 2025 widmete sich der Verein für Pfälzische Kirchengeschichte den bis in die Gegenwart reichenden internationalen Verbindungen der pfälzischen Kirche unter dem Thema „Die Pfalz und die Welt“. Aus insgesamt 13 unterschiedlichen Perspektiven wurden die Themen Frieden, Versöhnung und Verständigung beleuchtet.
Die Vortragenden untersuchten dabei, welchen Beitrag Christen zu Frieden und Versöhnung geleistet haben. Zudem wurde in einer Podiumsdiskussion thematisiert, wie nichtstaatliche Organisationen staatliches Handeln ergänzten – und damit Frieden und Verständigung entweder förderten oder behinderten –, wie die Pfalz von europäischen und globalen Netzwerken profitierte und welchen Nutzen sie selbst der Welt brachte.
Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden Ulrich A. Wien eröffnete Prof. Dr. Herman Selderhuis von der TU Apeldoorn die Tagung mit einem ebenso informativen wie spannenden Vortrag. Er zog einen Bogen von der Reformationszeit bis in die Gegenwart und zeigte Verbindungen zwischen der Pfalz und den Niederlanden und darüber hinaus in der internationalen Rezeption des Heidelberger Katechismus auf.
Ebenfalls in die Reformationszeit entführte Prof. Dr. Dr. Martin Rothkegel von der TH Elstal. Sein Beitrag beleuchtete die Täuferbewegung, ihr Postulat der Gewaltfreiheit und die weitreichenden Auswirkungen, die diese über die Grenzen der Pfalz hinaus hatte.
Einen umfassenden Blick auf die friedenspolitischen Ansätze der südwestdeutschen Demokratiebewegung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts warf Thomas Handrich aus Berlin.
Prof. Dr. Peter Morée von der Karlsuniversität Prag präsentierte in seinem äußerst differenzierten Vortrag „Böhmen und Tschechien“ die Herausforderungen vornehmlich in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg zwischen tschechischen und deutschen Protestanten.
Dr. Friedrich Schmidt-Roscher behandelte Glaubensfreiheit, Gerechtigkeit und Gastfreundschaft in der Begegnung zwischen italienischen Waldensern und pfälzischen Protestanten in der politisch belasteten Situation seit dem 2. Weltkrieg.
Anschließend zeigte Martin Henninger nicht zuletzt aus eigener Anschauung die Bedeutung der Kanzel- und Abendmahlsgemeinschaft zwischen der Evangelischen Kirche der Pfalz und der United Reformed Church in Großbritannien auf – insbesondere in Bezug auf die Versöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die transatlantischen Verbindungen der Kirche waren das Thema von Nathaniel Jensen. Der lutherische Pastor aus Kaiserslautern gab detaillierte Einblicke und zeigte die unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg einsetzenden Bemühungen von christlicher Gemeinden in den USA auf, in Deutschland strategisch ein Unterstützungsnetzwerk zu begründen und dies schließlich auch vor Ort eine Gemeindegründung in Kaiserslautern zu etablieren.
Den Abschluss des ersten Tages bildete der ungemein faszinierende Vortrag von Prof. Dr. Andrew Chandler von der University of Chichester. Er beleuchtete die Wahrnehmung der Entwicklungen der Evangelischen Kirche in Deutschland aus der Perspektive der bestens informierten britischen Öffentlichkeit während und nach der Zeit des Dritten Reiches am Beispiel der Person des bayerischen Landesbischofs Hans Meiser.
Den zweiten Tagungstag eröffnete Katerina Karkala-Zormpa von der Orthodoxen Akademie in Kreta, Chania, mit einem eindrucksvollen Porträt des Metropoliten Irinaios Galanakis. Dieser griechisch-orthodoxe Geistliche prägte nachhaltig nicht nur das kirchliche Leben auf Kreta, sondern auch in West-Deutschland, wo er Griechen in der Diaspora 1971-1981 begleitete und ermutigte. Durch sein Vorbild wies er den wechselseitigen Weg zu Frieden und Gemeinschaft, was sich in der Gründung der Orthodoxen Akademie auf Kreta manifestierte. Sein Konzept einer kreativen „praktischen Theologie“ verband spirituelle Überzeugungen und Traditionen mit modernem konkretem sozialem Handeln.
Auch Prof. Dr. Matthieu Arnold widmete sich einem Porträt und stellte das Leben und Wirken von Albert Schweitzer vor. Schweitzer, geboren im Elsass, war nicht nur ein renommierter Theologe, sondern auch ein herausragender Musiker, Philosoph und Arzt. Bekannt wurde er zunächst als theologischer Wissenschaftler und Bach-Biograph, später vor allem durch seine Missionarstätigkeit und den Aufbau eines Krankenhauses in Lambaréné (heutiges Gabun), das zum Symbol für selbstlose humanitäre Hilfe wurde. Arnold zeigte anhand neuer Quellenfunde die persönliche Souveränität Schweitzers gegenüber Tendenzen nationaler Vereinnahmung oder nationalistischer Stereotype auf. Sein humanistisches Konzept der „Ehrfurcht vor dem Leben“ forderte ein verantwortungsvolles Handeln gegenüber allen Lebewesen.
In der anschließenden Podiumsdiskussion stand das Thema „Zivilgesellschaftliches und kirchliches Friedensengagement in Zeiten globaler Krisen“ im Mittelpunkt. Unter der Moderation von Gregor Walter-Drop diskutierten Dr. Lucia Fuchs vom Entwicklungspolitischen Landesnetzwerk Rheinland-Pfalz, Dr. Steffen Hagemann von der RPTU, Prof. Dr. Dr. Martin Rothkegel von der TH Elstal und der Pfarrer für Weltmission und Ökumene, Christian Krauth vom MÖD. Der Evangelische Pressidienst (EPD) fasste diese Diskussion treffend zusammen: „Kirchenhistoriker: Stimme der Kirchen für Frieden ist verstummt“.
Victor Damerow ließ in seinem Vortrag die Verbindungen der Pfalz nach Brasilien lebendig werden. Dabei nutzte er insbesondere digitale Begegnungen, die sowohl Resonanzen in der alten als auch in der neuen Heimat aufzeigten.
Philipp Walter aus Schönau-Rumbach rückte anschließend die historische Arbeit und Gegenwartsbedeutung des Gustav-Adolf-Werks kritisch in den Fokus. Dieses 1832 gegründete Werk ist bis heute ein wichtiger Partner für evangelische Gemeinden weltweit. Es unterstützt die Religionsfreiheit sowie seine Partner dabei, ihren Glauben an Jesus Christus zu leben, diakonisch tätig zu sein und durch Begegnungen und Partnerschaften gegenseitige Toleranz und ständiges Lernen zu fördern.
Dr. Ingo Holzapfel aus Kaiserslautern beleuchtete, wie sich die Beziehungen zu Korea von einem einstigen Kolonialprojekt der deutschen Mission zu einer echten Partnerschaftsarbeit entwickelt haben. Dabei hob er hervor, wie sich die gegenseitige Wertschätzung und Zusammenarbeit im Laufe der Jahrzehnte vertieft haben und welchen Einfluss die Mission gesamtgesellschaftlich gehabt hat.
Den letzten Vortrag der Tagung hielt Christoph Krauth vom MÖD Landau. Er erinnerte an Anfänge, Geschichte, Entwicklung und Perspektiven der Übersee-Partnerschaften und die aktuellen Herausforderungen, er behandelte aber auch den Pioniergeist nicht zuletzt aufgrund der vitalen und dynamisch wachsenden Kirchen im globalen Süden. Dabei betonte er, wie wichtig es ist, die eigenständigen theologischen Positionen ernst zu nehmen und diese Verbindungen in einer globalisierten Welt zu pflegen und gemeinsam an einem Verständnis von Frieden und Gemeinschaft zu arbeiten.